Info:  Sinn(liches) Gold
"Ist das wahre Bewußtsein
zu einem goldenen Körper geläutert,
wird es nimmermehr in den Staub hinabfallen."


Chang Po -Tuan

Der materielle Aspekt

Das Material Gold lateinisch „Aurum“, magnetisierte und faszinierte seit Urzeiten die Menschheit. Seine Schönheit, Unveränderlichkeit und Verarbeitbarkeit waren bereits in der Antike bekannt. Im Alten Testament wurden Gegenstände in lauteres oder ge-diegenes Gold unterschieden. Diese sogenannten „dehnbaren Steine“ wurden bereits in Babylon und Ägypten zu Blattmetallen verarbeitet. Es konnte ein Berufsstand des Gold-schlägers und Vergolders entstehen. Unzählige Holzskulpturen wurden mit höchster handwerklicher Präzision und Geschicklichkeit mit einem blattgoldartigen Goldüberzug versehen. Dies setzte sich in der Geschichte fort, Blattgold konnte immer dünner durch den Goldschläger ausgeschlagen und im Anschluss vom Vergolder in unterschied-lichsten Techniken weiterverarbeitet werden.

Die historische Zeitreise führt uns von den Heiligenbildern und Skulpturen des Mittel-alters, ihren Schriften- und Miniaturmalereien, Golduntergründen in der Malerei, zu der Entwicklung der Rahmenmacher - und Möbelkunst, über die Architektur und Innen-einrichtung, bis in die moderne Kunst, in der Künstler wie Yves Klein das Material Gold verwandten.

Das Gold liegt in der Natur in gediegener Weise, ursprünglich als Berggold, oder in Form von Seifen und Waschgold aus Sand- oder Geröllablagerungen vor.
Das reine Element Gold wird überwiegend mit anderen unedleren Metallen, wie Silber und Kupfer verarbeitet. Hieraus ergibt sich der Goldgehalt, welcher heute in Tausendstel ausgedrückt und in der Vergangenheit nach Karat berechnet wurde.
Das reine Gold, oder Feingold besitzt 24 Karat = 1000 /1000 Teilchen Goldgehalt, das
18 karätige Gold 750/ 1000 Teilchen, zwölfkarätiges Gold 500/1000 Teilchen usw. Ein Vergolder verarbeitet im Innenbereich 22-23 karätiges Gold, im Außenbereich
24 karätiges reinstes Feingold.

Der geistige Aspekt

Gold als „Aurum philosophicum“ (Gold der Philosophen)

Gold vermag neben seinen materiellen Vorzügen, eine geistige Ebene zu bieten.
Bereits Goethe bezeichnete. „(..) den Glanz und die Wirkung als die nächste Farbe am Licht.“ Das Licht erreicht auf Gold eine besondere Wirkungskraft und Goldoberflächen matt, poliert oder verziert, spiegeln die sinnlich, strahlende Wirkung des Goldes und seine lichte Transzendenz.
Das Gold wird zugleich Spiegel der Transzendenz und Manifestation des Lichtes in der Materie. Es dient als Projektionsfläche des Lichtes und verdrängt die Dunkelheit stärker als der Schatten.
Im Laufe der Geschichtsschreibung galt es als Symbol des Selbst, des Mikrokosmos, des Lichtes der Welt oder Geist der Sonne.
Die Devise der Alchimisten besagte „Aurum nostrum non est aurum vulgi“ (unser Gold ist nicht das Gold des Pöbels).
Dieser Dualismus verweist auf Polaritäten und den Missbrauch des Goldes, auf betrüg-erische Goldmacher und habgierige Kunden, von denen man sich abgrenzen wollte.
Gold kann zu verräterischer Macht und egoistischem Prunk verlocken und alle Abgründe des menschlichen „Theatrum mundi“ reflektieren.
Die assoziative Verwandlung des Menschen von Blei zu Gold zeichnet eine geistige Alchemie der menschlichen Entwicklung.

Der Vergolder als Vermittler dieser Welten

Der Hand des Vergolders obliegt hohe Verantwortung, die Polaritäten des Goldes bilden eine Grundlage seiner Arbeit.
Er vermag mit einer dünnsten Schicht Blattgold, die fast immaterielle Existenz des Goldes symbolhaft zwischen Licht und Himmel auf ein Objekt zu übertragen.
Dies bedeutet, dass Blattgold in seiner Eigenschaft als anspruchsvolles Material, nur wenn Untergrund, äußere Bedingungen und handwerklichen Fähigkeiten des Vergolders auf höchsten Niveau übereinstimmen, diese Transzendenz und Leuchtkraft des Goldes auf physischer und materieller Ebene erreichen kann.
Im Falle sachgemäßer Behandlung kann eine Vergoldung nachfolgende Generationen überdauern ohne an Qualität oder Glanz zu verlieren.

..“Sag mir doch, wie kam Gold zum höchsten Werte ?
Darauf, dass es ungemein ist und unnützlich und leuchtend und mild im Glanze; es schenkt sich immer. Nur als Abbild der Tugend kam Gold zum höchsten Werte.(....) Goldes-Glanz schließt Friede zwischen Mond und Sonne.“

Friedrich Nietsche in Zarathustra